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MAGICMAGENTHEATER ist ein performatives Stück über Sinnzusammenhänge

von Sabine Noll, Cristina Ohlmer, Lea Torcelli für einen Tisch und 5 Akteure.

Das MagicMagenTheater ist wie ein Universum. Die Akteure sind jünger und älter. Sie sind ein eingespieltes Magic Team. Sie erscheinen und beginnen in einem zauberhaften Reigen den Zusammenhang von Leben und Lebensmitteln zu umkreisen, während ein Elf Bananen tätowiert. Mit einer Auswahl von im Urzustand belassenen essbaren Dingen lassen die Akteure auf dem Tisch, der die Bühne ist, Farben und Formen wachsen, verwandeln, verbinden oder zerstören sie – erschaffen eine Welt für und von alle(n) Sinne(n). Die Performance konnte realisiert werden dank einer Förderung als Innovatives Kunstprojekt 2013 von Innovationsfonds-Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Die Auftritte finden bei kulturellen, politischen und sozialen Veranstaltungen auf Einladung statt. Das Magic Team erscheint, bereitet das Tischbild und mischt sich dann in das Gespräch mit dem Publikum.

 

MMT Katalogansicht

 

Badische Zeitung Freitag, 25. Juli 2014

Die Messer sind gezückt

Das MagicMagenTheater richtet eine Performance rund ums Thema Lebensmittel an.

1Foto: David Schultheiss

Premiere in T66 kulturwerk Freiburg am 4. April 2014

Ein schwarzer Tisch steht in den temporär von der Freiburger Kulturliste genutzten Räumen, noch ist er leer. Zu einer Soundcollage mit rhythmischen Kaugeräuschen (Chris Huwer) lässt ein Koch mit viel Brimborium sein Sushi-Messer wirbeln: Willkommen beim Magic Magen Theater, einer halbstündigen Performance rund um Nahrungsmittel, die 2013 vom Innovationsfonds Kunst gefördert wurde und nun als Happening mit sieben Akteuren tourt (Konzept: Sabine Noll, Cristina Ohlmer, Lea Torcelli).

Als wenig später drei Tänzer in Glitzerkostümen eine Wanne Reis auf die Tischplatte stürzen, fühlt man sich schon wie im Zirkus oder einer bizarren Kochshow- Parodie. Mit großen Gesten pfriemelt sich das Personal die Einweghandschuhe über und beginnt konzentriert zu matschen und zu kneten. Das alles passiert in Laufstegmanier so elegant wie sexy: Man tänzelt, schlängelt, präsentiert, zeigt dem Publikum Strahlezähne, wirft intensive Blicke. Ein Harfenjingle läutet das erste Wunder ein: Sieh da, ein Apfel wird aus der Pampe geborgen und zierlich in den Schäler eingespannt. Die Messer sind gezückt, Gurken und Karotten verwandeln sich in Schnitze und Scheiben, werden liebevoll in die Reislandschaft drapiert. Dazu tätowiert ein Elf am Bühnenrand Bananen und reicht sie weiter, im Nebenraum backt ein Serviermädchen mit Rüschenschürze Blaubeer-Muffins, die sie dann ganz allein verspeist.

Aus dem Off tönen Musik und poetische Texte, dazu entspinnen sich kleine Geschichten: Ein Reisphallus erliegt der Schwerkraft, ein Stück rote Schale wird zum Grinse-Mund einer aufgedrehten Tänzerin, man pokert bierernst mit verbrannten Toastscheiben oder lässt Paprikas in fremden Zungen sprechen. Nach und nach entsteht so ein opulentes Stillleben, eine eindeutig asiatisch inspirierte Obst- und Gemüse-Skulptur mit Tälern und Bergen, auf denen Erdbeer- Igel, Chicoree-Blüten und Olivenbäume wachsen. Und in die ganze Fülle dringt eine leise Stimme und bittet um die Henkersmahl: Nichts als eine schwarze Olive mit Kern hat sich der zum Tode verurteilte Häftling aus Iowa gewünscht – sein Teller wird unter den Tisch gestellt.

Essen – das ist Kultur, Wissenschaft, Sinnlichkeit, Mangel oder Völlerei. Mit dem Essen spielt man nicht – und doch geht die Liebe durch den Magen. Was das Magic Magen Theater hier präsentiert, bewegt sich leichtfüßig auf ganz unterschiedlichen Assoziationsebenen. Die kann man sehen, muss man aber nicht. Denn langweilig wird es keine Sekunde: Die Stimmung ist heiter bis versponnen, Dynamik, Spielwitz und Spannungsbogen sitzen. Und am Ende bekommen auch die Mundenhof-Schweine einen dicken Schmaus.

Weitere Termine: 26.7., 17.45 Uhr, Foyer des E-Werks; 27.7., 20 Uhr, T66 Kulturwerk, Freiburg. Eintritt frei.

 

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